Inhalt
- Was ist die SBTi und was ändert sich mit Version 2.0?
- Neue Unternehmenskategorien und externe Prüfung
- Transitionspläne und strengere Anforderungen an die Umsetzung
- Neue Vorgaben für Scope 1 und Scope 2
- Änderungen bei Scope 3 und Product Alignment
- Verantwortung für fortlaufende Emissionen und Übergang zu V2.0
- Was SBTi V2.0 für Unternehmen bedeutet und wie Code Gaia unterstützt
Was ist die SBTi und was ändert sich mit Version 2.0?
Die Science Based Targets initiative unterstützt Unternehmen dabei, Klimaziele zu entwickeln, die mit den Erkenntnissen der Klimawissenschaft vereinbar sind. Der Corporate Net-Zero Standard gibt dabei vor, wie kurz- und langfristige Emissionsreduktionsziele festgelegt, umgesetzt und überprüft werden können.
Mit Version 2.0 verschiebt sich der Fokus stärker von der reinen Zielsetzung hin zur tatsächlichen Umsetzung. Unternehmen müssen künftig nicht nur ambitionierte Ziele formulieren, sondern auch nachvollziehbar darlegen, auf welcher Datengrundlage diese beruhen, mit welchen Maßnahmen sie erreicht werden sollen und wie Fortschritte kontrolliert werden.
Damit steigen die Anforderungen an Datenqualität, Dokumentation und interne Verantwortlichkeiten. Gleichzeitig werden Transitionsplanung, CO₂-Bilanzierung und Zielmonitoring enger miteinander verknüpft.
Neue Unternehmenskategorien und externe Prüfung
SBTi V2.0 teilt Unternehmen künftig in Kategorie A und Kategorie B ein. Die Zuordnung richtet sich nach Unternehmensgröße, Umsatz, Bilanzsumme, Emissionen und dem Sitzland. Für Kategorie-A-Unternehmen gelten strengere Anforderungen als für Unternehmen der Kategorie B.

Für Kategorie-A-Unternehmen wird zudem eine externe Prüfung mit Limited Assurance verpflichtend. Geprüft werden unter anderem die Emissionsdaten des Basisjahres, zentrale Berechnungsgrundlagen, Zielmetriken und das End-of-Cycle Assessment. Für Kategorie-B-Unternehmen bleibt eine solche Prüfung optional.
In der Praxis bedeutet das: Datenquellen, Emissionsfaktoren, Annahmen und Änderungen müssen deutlich strukturierter dokumentiert werden. Eine revisionssichere CO₂-Bilanzierung wird damit zur zentralen Grundlage für Validierung und Revalidierung.
Transitionspläne und strengere Anforderungen an die Umsetzung
Alle Unternehmen müssen künftig über einen Transitionsplan verfügen. Dieser beschreibt, wie die gesetzten Klimaziele konkret erreicht werden sollen. Dazu gehören etwa Maßnahmen, Verantwortlichkeiten, zeitliche Meilensteine und die Einbindung der Klimaziele in die Unternehmensstrategie.
Kategorie-A-Unternehmen müssen den Transitionsplan grundsätzlich bei der Zielvalidierung vorlegen oder spätestens innerhalb von 15 Monaten nachreichen. Für Kategorie-B-Unternehmen besteht keine generelle Offenlegungspflicht. Bei bestimmten Zielarten, etwa Scope-1-Intensitätszielen oder Asset-Transition-Zielen, entfällt die Übergangsfrist jedoch.
Damit wird der Transitionsplan zu einem festen Bestandteil der SBTi-Zielsetzung. Unternehmen müssen nicht nur erklären, welches Ziel sie verfolgen, sondern auch, wie dieses operativ erreicht werden soll. Klimarisiken und Transformationsmaßnahmen sollten dabei gemeinsam betrachtet werden. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag zur Klimarisikoanalyse und unternehmerischen Resilienz.
Neue Vorgaben für Scope 1 und Scope 2
Unter SBTi V2.0 müssen Unternehmen getrennte Ziele für Scope 1 und Scope 2 festlegen. Das bisher mögliche kombinierte Scope-1-und-2-Ziel entfällt.
Für Scope 2 stehen zwei Zielrouten zur Verfügung. Unternehmen können entweder ein absolutes Emissionsminderungsziel festlegen oder ein sogenanntes Low-Carbon-Electricity-Alignment-Ziel wählen. Beim absoluten Ziel wird die Emissionsentwicklung anhand des standortbasierten Inventars gemessen. Beim Alignment-Ziel steht der Anteil emissionsarmer Energie im Mittelpunkt.
Unternehmen mit einem erwarteten jährlichen Stromverbrauchswachstum von mehr als 20 Prozent müssen ein absolutes Scope-2-Ziel setzen. So soll verhindert werden, dass ein steigender Anteil emissionsarmer Energie gleichzeitig mit wachsenden absoluten Emissionen einhergeht.
Auch die Anforderungen an Herkunftsnachweise, Power Purchase Agreements und andere Marktinstrumente werden strenger. Entscheidend sind künftig insbesondere geografische Nähe, das Alter der Erzeugungsanlagen und eine engere zeitliche Zuordnung zwischen Stromerzeugung und -verbrauch.
Für Großverbraucher ab 10 GWh pro Jahr gewinnt zudem das stündliche Matching an Bedeutung. Das Matching selbst bleibt freiwillig, die Berichterstattung über den stündlich zugeordneten Anteil wird jedoch wichtiger.
Marktbasierte Instrumente bleiben damit relevant, ersetzen aber keine tatsächliche Emissionsreduktion. Für absolute Scope-2-Ziele zählen vor allem reale Veränderungen wie Energieeffizienz, Verbrauchsreduktion, Eigenerzeugung und die Dekarbonisierung des Stromnetzes.
Änderungen bei Scope 3 und Product Alignment
Auch bei Scope 3 führt SBTi V2.0 neue Anforderungen ein. Die bisherige 67-Prozent-Regel wird durch eine Signifikanzschwelle ersetzt. Eine Scope-3-Kategorie gilt grundsätzlich als relevant, wenn sie mindestens 5 % der gesamten Scope-3-Emissionen des Unternehmens in den Kategorien 1 bis 14 ausmacht. Grundlage dafür ist das physische Treibhausgasinventar. Ausschlüsse sind weiterhin möglich, müssen jedoch den entsprechenden SBTi-Vorgaben entsprechen und nachvollziehbar begründet werden.
Unternehmen müssen deshalb künftig nachvollziehbar dokumentieren:
- welche Scope-3-Kategorien geprüft wurden,
- welche Kategorien als signifikant gelten,
- welche Ausschlüsse vorgenommen wurden,
- und wie diese Ausschlüsse begründet sind.
Gleichzeitig erhalten Unternehmen mehr Flexibilität bei der Zielsetzung. Neben absoluten Reduktions- und Intensitätszielen sind künftig auch Supplier-, Customer-, Volume- und Product-Alignment-Ziele möglich.
Ein produzierendes Unternehmen kann beispielsweise festlegen, welcher Anteil seines Produktportfolios künftig bestimmte Klimakriterien erfüllen soll. Ebenso sind Ziele für den Anteil emissionsärmerer Materialien im Einkaufsvolumen möglich.
Voraussetzung dafür sind methodisch konsistente Product Carbon Footprints. Diese müssen mit den relevanten Produkten und Scope-3-Kategorien verknüpft werden. Damit wachsen CO₂-Bilanzierung auf Unternehmensebene und CO₂-Bilanzen auf Produktebene noch enger zusammen.
Verantwortung für fortlaufende Emissionen und Übergang zu V2.0
Mit der Ongoing Emissions Responsibility (OER) führt SBTi einen zusätzlichen Ansatz für Emissionen ein, die während der Transformation weiterhin entstehen. Zwischen 2027 und 2035 können Unternehmen freiwillig an einem Anerkennungsprogramm teilnehmen. Dafür sind verschiedene Ambitionsstufen vorgesehen. Unternehmen können beispielsweise Verified Mitigation Outcomes, also nachträglich verifizierte Klimaschutzwirkungen, einsetzen oder einen internen CO₂-Preis einführen, dessen Einnahmen in anrechenbare Klimaschutzprojekte fließen.
Ab 2035 sollen Kategorie-A-Unternehmen zunächst mindestens ein Prozent ihrer laufenden Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen adressieren. Dieser Anteil soll bis zum Net-Zero-Jahr schrittweise steigen. Wichtig bleibt dabei die klare Trennung zwischen Emissionsreduktion und zusätzlicher Klimafinanzierung: Zertifikate, Klimaschutzprojekte oder CO₂-Entnahmen ersetzen nicht die notwendige Reduktion der eigenen Emissionen.
Zeitplan für den Übergang zu SBTi V2.0
Der finale Corporate Net-Zero Standard V2.0 wurde am 11. Juni 2026 veröffentlicht. Ab Februar 2027 können Unternehmen Ziele nach dem neuen Standard einreichen. Bis zum 31. Januar 2028 bleibt während der Übergangsphase eine Zielsetzung nach Version 1.3.1 möglich. Ab dem 1. Februar 2028 wird Version 2.0 für alle neuen Zielsetzungen verpflichtend.

Bereits nach Version 1.3.1 validierte Ziele bleiben grundsätzlich für den laufenden fünfjährigen Zielzyklus gültig. Unternehmen mit bestehenden Zielen sollten sich dennoch frühzeitig auf die nächste Aktualisierung oder Revalidierung nach V2.0 vorbereiten. Für einen möglichst reibungslosen Übergang kann es sinnvoll sein, die neuen Anforderungen bereits heute bei der CO₂-Bilanzierung, Transitionsplanung und Datendokumentation zu berücksichtigen.
Was SBTi V2.0 für Unternehmen bedeutet und wie Code Gaia unterstützt
SBTi V2.0 verbindet Klimaziele stärker mit belastbaren Daten, konkreten Maßnahmen und einer regelmäßigen Überprüfung der Fortschritte. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig prüfen, wie gut ihre CO₂-Bilanzierung, Scope-3-Dokumentation und Transitionsplanung bereits auf die neuen Anforderungen vorbereitet sind.
Mit Code Gaia lassen sich Emissionsdaten zentral erfassen, Berechnungen und Nachweise transparent dokumentieren und Fortschritte über mehrere Jahre hinweg nachvollziehen. Gleichzeitig können CO₂-Bilanzierung, Product Carbon Footprints, Maßnahmenplanung und Transitionsplan strukturiert miteinander verbunden werden, von der Datenerhebung bis zur Vorbereitung auf Validierung und externe Prüfung.





