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Klimarisikoanalyse: Wie Unternehmen Risiken erkennen und ihre Resilienz stärken

Klimarisikoanalyse | 23. Juli 2026
Tobias Linden

Gemeinsam mit Anja Aschenbrenner, Bereichsleiterin Klimamanagement bei der B.A.U.M. Consult GmbH, haben wir in unserem Webinar gezeigt, wie Unternehmen Klimarisiken systematisch analysieren und die Ergebnisse für ihre doppelte Wesentlichkeitsanalyse, die EU-Taxonomie und die strategische Unternehmenssteuerung nutzen können.
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ZusammenfassungExtremwetterereignisse, steigende CO₂-Preise und neue regulatorische Anforderungen machen Klimarisiken zu einem wichtigen Bestandteil der Unternehmenssteuerung. Eine Klimarisikoanalyse hilft Unternehmen dabei, physische und transitorische Risiken frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Gleichzeitig liefert sie wichtige Grundlagen für die doppelte Wesentlichkeitsanalyse, die Berichterstattung nach ESRS E1 und die Prüfung der Taxonomiekonformität. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie eine Klimarisikoanalyse aufgebaut ist, welche Daten benötigt werden und wie Unternehmen die Ergebnisse in ein wirksames Risikomanagement überführen.

Warum Klimarisiken für Unternehmen relevant sind

Klimarisiken sind längst nicht mehr nur ein regulatorisches Thema. Hitze, Starkregen, Überschwemmungen oder Trockenheit können Standorte, Lieferketten, Produktionsprozesse und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden unmittelbar beeinträchtigen.

Gleichzeitig verändert der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft die Rahmenbedingungen für Unternehmen. Steigende CO₂-Preise, neue Technologien, regulatorische Vorgaben und veränderte Kundenanforderungen können bestehende Geschäftsmodelle unter Druck setzen, aber auch neue Chancen eröffnen.

Eine Klimarisikoanalyse unterstützt Unternehmen dabei

  • ihre operative Widerstandsfähigkeit zu stärken,
  • finanzielle Risiken frühzeitig zu erkennen,
  • Investitionen gezielter zu priorisieren,
  • regulatorische Anforderungen zu erfüllen und
  • Anforderungen von Banken, Versicherungen und weiteren Stakeholdern zu beantworten.

Damit ist die Klimarisikoanalyse nicht nur ein Instrument für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, sondern ein strategischer Stresstest für das gesamte Geschäftsmodell.

Physische und transitorische Klimarisiken

Grundsätzlich unterscheidet die Klimarisikoanalyse zwischen physischen und transitorischen Risiken.

Physische Klimarisiken
Physische Risiken entstehen durch die direkten Folgen des Klimawandels. Dazu gehören akute Ereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen oder Stürme ebenso wie langfristige Veränderungen durch Hitze, Dürre, Wasserknappheit oder Bodendegradation.

Für Unternehmen stellen sich dabei beispielsweise folgende Fragen:

  • Wie wirkt sich zunehmende Hitze auf Mitarbeitende und Produktivität aus?
  • Sind Gebäude oder Produktionsanlagen durch Hochwasser gefährdet?
  • Können Extremwetterereignisse die Energie- oder Verkehrsinfrastruktur beeinträchtigen?
  • Welche Folgen entstehen für die Verfügbarkeit und Qualität wichtiger Rohstoffe?
  • Wie widerstandsfähig sind Lieferanten und Logistikwege?

Transitorische Risiken
Transitorische Risiken entstehen durch den Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft. Dazu gehören beispielsweise steigende CO₂-Preise, neue regulatorische Anforderungen, technologische Veränderungen oder eine veränderte Nachfrage nach emissionsintensiven Produkten. Unternehmen sollten daher analysieren, ob emissionsintensive Energieträger, Produktionsverfahren oder Produkte künftig teurer, eingeschränkt oder weniger stark nachgefragt werden. Gleichzeitig können neue Märkte für emissionsarme Produkte und Dienstleistungen entstehen. Die Klimarisikoanalyse betrachtet deshalb nicht nur mögliche Schäden, sondern auch Geschäftschancen.

Verbindung zu Wesentlichkeit und EU-Taxonomie

Die Klimarisikoanalyse ist eng mit weiteren Bereichen des Nachhaltigkeitsmanagements verbunden. Besonders relevant sind die doppelte Wesentlichkeitsanalyse, ESRS E1 und die EU-Taxonomie.

Doppelte Wesentlichkeitsanalyse
Im Rahmen der doppelten Wesentlichkeitsanalyse bewerten Unternehmen ihre Auswirkungen, Risiken und Chancen. Bereits identifizierte Klimarisiken können direkt in diesen Prozess übernommen und hinsichtlich ihres finanziellen Ausmaßes, ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und ihres Zeithorizonts bewertet werden. Unternehmen können entweder zunächst eine Klimarisikoanalyse durchführen und die Ergebnisse anschließend in die Wesentlichkeitsanalyse übertragen oder zuerst über die Wesentlichkeitsanalyse feststellen, dass das Thema Klimawandel relevant ist, und die Risiken danach detaillierter untersuchen.

ESRS E1
Die Klimarisikoanalyse verbindet Klimaschutz und Klimawandelanpassung. Sie ergänzt die CO₂ Bilanzierung, Klimaziele und Dekarbonisierungsmaßnahmen um die Frage, wie widerstandsfähig das Unternehmen gegenüber unterschiedlichen Klimaszenarien ist. Auch Unternehmen, die derzeit nicht berichtspflichtig sind, können sich an ESRS E1 orientieren, um ein strukturiertes Klimamanagement aufzubauen.

EU-Taxonomie
Für die EU-Taxonomie werden Klimarisiken auf Ebene konkreter Wirtschaftsaktivitäten und Standorte betrachtet. Unternehmen müssen unter anderem prüfen, welchen physischen Risiken eine Aktivität ausgesetzt ist und ob geeignete Anpassungsmaßnahmen umgesetzt wurden. Diese Prüfung ist sowohl für einen möglichen wesentlichen Beitrag zur Klimawandelanpassung als auch für die Do-No-Significant-Harm-Kriterien relevant. Bei einem Neubau kann beispielsweise entscheidend sein, ob Risiken wie Hitze oder Überflutung berücksichtigt wurden. Bei Straßen oder anderen Infrastrukturen spielen unter anderem die Materialwahl und die Widerstandsfähigkeit gegenüber zunehmenden Wetterextremen eine Rolle.

Schritt für Schritt durch die Klimarisikoanalyse

Eine Klimarisikoanalyse lässt sich in fünf zentrale Schritte gliedern:

  1. Scoping und Bestandsaufnahme
  2. Screening relevanter Klimagefahren
  3. Datenerfassung und Analyse
  4. Bewertung der Risiken und Chancen
  5. Aufbereitung und Überführung in das Risikomanagement

Je nach Unternehmensgröße, Komplexität, Datenverfügbarkeit und gewünschter Detailtiefe kann der Prozess mehrere Monate dauern. Wichtig ist, relevante interne Wissensträger und Risikoverantwortlich frühzeitig einzubeziehen.

1. Scoping und Bestandsaufnahme

Zu Beginn wird festgelegt, welche Unternehmensbereiche, Standorte, Tätigkeiten und Teile der Wertschöpfungskette betrachtet werden sollen.

Wichtige Grundlagen sind unter anderem:

  • die doppelte Wesentlichkeitsanalyse,
  • die CO₂ Bilanzierung beziehungsweise der Corporate Carbon Footprint,
  • das bestehende Risikomanagement,
  • geplante Geschäftsfelder und Investitionen,
  • relevante Wirtschaftsaktivitäten der EU-Taxonomie sowie
  • wichtige Standorte, Lieferanten und Absatzmärkte.

2. Screening relevanter Klimagefahren

Anschließend wird geprüft, welche physischen und transitorischen Gefahren für das Unternehmen tatsächlich relevant sind. Für einen Produktionsstandort in einem hochwassergefährdeten Gebiet kann beispielsweise Überschwemmung besonders relevant sein. Bei einem Dienstleistungsunternehmen stehen möglicherweise Hitze, Energieversorgung oder die Verfügbarkeit kritischer IT-Infrastruktur stärker im Fokus.

3. Datenerfassung und Szenarien

Für die Analyse werden interne Informationen und externe Klimadaten zusammengeführt. Für physische Risiken können beispielsweise Daten des Deutschen Wetterdienstes, regionale Klimaatlanten oder europäische Klimamodelle genutzt werden. Für transitorische Risiken sind unter anderem Informationen zur Entwicklung von CO₂- und Energiepreisen, regulatorischen Anforderungen sowie Markt- und Technologieveränderungen relevant.

Typischerweise werden unterschiedliche Szenarien betrachtet: ein Szenario mit konsequenter Dekarbonisierung und ein Szenario mit deutlich stärkerer globaler Erwärmung. Ergänzend kann ein mittleres, aus Unternehmenssicht realistisches Szenario sinnvoll sein.

Risiken bewerten und wirksam steuern

Ein Klimarisiko entsteht, wenn drei Faktoren zusammenkommen:

  • Klimagefahr: Wie stark ist die mögliche klimatische Veränderung?
  • Exposition: In welchem Umfang ist ein Standort, Prozess oder anderes Asset der Gefahr ausgesetzt?
  • Vulnerabilität: Wie anfällig ist das betrachtete Element für mögliche Schäden?

Ein Gebäude in einem Hochwassergebiet ist beispielsweise exponiert. Wie hoch das tatsächliche Risiko ist, hängt jedoch auch davon ab, welche Schutzmaßnahmen bestehen und welche Anlagen oder Waren betroffen wären.

Auf dieser Grundlage bewerten Unternehmen das mögliche Schadensausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit. Die Ergebnisse können in einem Risikoinventar oder einer Risikomatrix dargestellt und nach ihrer Dringlichkeit priorisiert werden. Eine qualitative Bewertung kann dabei ausreichen. Entscheidend ist, dass der Prozess nachvollziehbar dokumentiert wird und erkennbar ist, warum ein Risiko als niedrig, mittel oder hoch eingestuft wurde.

Aus der Bewertung können unterschiedliche Maßnahmen abgeleitet werden:

  • Vermeiden: Tätigkeiten oder Standorte so verändern, dass ein Risiko nicht entsteht.
  • Vermindern: Schutzmaßnahmen umsetzen und mögliche Schäden reduzieren.
  • Übertragen: Risiken über Versicherungen oder Verträge teilweise weitergeben.
  • Diversifizieren: Abhängigkeiten durch mehrere Standorte oder Lieferanten verringern.
  • Übernehmen: Tragbare Risiken bewusst akzeptieren.

Welche Strategie sinnvoll ist, hängt vom individuellen Risikoappetit, den verfügbaren finanziellen Mitteln und den Kosten der möglichen Maßnahmen ab.

Damit die Klimarisikoanalyse langfristig wirkt, sollten die Ergebnisse in das bestehende Risikomanagement integriert werden. Kurzfristige Risiken können direkt in die operative Steuerung übernommen werden. Mittel- und langfristige Risiken sollten regelmäßig überprüft und bei veränderten Rahmenbedingungen neu bewertet werden.

Hilfreich ist außerdem die Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettorisiken. Das Bruttorisiko beschreibt das mögliche Risiko ohne weitere Maßnahmen. Das Nettorisiko zeigt, welches Risiko nach Umsetzung der geplanten Maßnahmen bestehen bleibt. Diese Gegenüberstellung unterstützt nicht nur die interne Steuerung, sondern auch die Kommunikation mit Banken, Versicherungen, Investoren und Geschäftspartnern.

Wie Code Gaia bei Wesentlichkeit und EU-Taxonomie unterstützt

Mit Code Gaia lassen sich die Ergebnisse der Klimarisikoanalyse direkt in die doppelte Wesentlichkeitsanalyse und die EU-Taxonomie überführen. Identifizierte Risiken und Chancen können strukturiert erfasst und anhand ihres finanziellen Ausmaßes, ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und ihres Zeithorizonts bewertet werden.

Für die EU-Taxonomie führt die Software Schritt für Schritt durch die Prüfung relevanter Wirtschaftsaktivitäten. Nachweise sowie Umsatz-, CAPEX- und OPEX-Daten können zentral hinterlegt und nachvollziehbar dokumentiert werden. So entsteht eine auditierbare Datengrundlage für Berichterstattung, Prüfung und strategische Steuerung.

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