Scope 3.1 taucht bei der Erstellung eines Corporate Carbon Footprints schnell auf – und häufig genauso schnell die Frage: Was gehört eigentlich alles zu eingekauften Waren und Dienstleistungen?
Im vierten Teil unserer Blogreihe zum Scope 3.1 Blue Thread gehen wir deshalb einen Schritt zurück und erklären die wichtigsten Grundlagen: von der Definition und Abgrenzung bis zur Frage, warum Scope 3.1 für viele Unternehmen eine wichtige Emissionskategorie ist.
Inhalt
Was ist Scope 3.1?
Scope 3.1 steht für die Kategorie „Eingekaufte Waren und Dienstleistungen“ und ist die erste von insgesamt 15 Kategorien innerhalb der Scope-3-Emissionen nach dem Greenhouse Gas Protocol.
Erfasst werden alle vorgelagerten Emissionen aus der Produktion von Waren und Dienstleistungen, die ein Unternehmen im jeweiligen Berichtsjahr eingekauft oder bezogen hat – sofern diese nicht bereits einer der anderen vorgelagerten Scope-3-Kategorien 2 bis 8 zugeordnet werden. Entscheidend ist dabei der Begriff cradle-to-gate: Betrachtet werden die Emissionen, die entlang der vorgelagerten Wertschöpfungskette entstehen, bevor eine Ware oder Dienstleistung das berichtende Unternehmen erreicht.
Scope 3.1 schaut also gewissermaßen vor das eigene Unternehmen, auf die Emissionen, die mit den eingekauften Produkten und Leistungen bereits verbunden sind.
Was gehört zu Scope 3.1?
Scope 3.1 umfasst sehr unterschiedliche Einkaufsaktivitäten. Dazu gehören sowohl physische Güter als auch externe Dienstleistungen.
Typische Beispiele sind:
- Rohstoffe und Materialien
- Bauteile und Vorprodukte
- Handelswaren
- Beratungsleistungen
- IT-Dienstleistungen
- weitere extern bezogene Leistungen
Die damit verbundenen vorgelagerten Emissionen können unter anderem aus Rohstoffgewinnung, landwirtschaftlichen Aktivitäten, Produktion und Verarbeitung, der Herstellung von Vorprodukten oder Transporten zwischen Lieferanten entstehen.
Wichtig dabei: Diese einzelnen Prozessschritte müssen nicht automatisch separat als einzelne Aktivitäten erfasst werden. Bei cradle-to-gate-Emissionswerten können sie bereits im verwendeten Emissionsfaktor oder in einem Product Carbon Footprint enthalten sein. Entscheidend ist daher, welche Datengrundlage und Berechnungsmethode genutzt wird.
Was gehört nicht zu Scope 3.1?
Nicht jede Ausgabe und nicht jede Aktivität in der Lieferkette ist automatisch Scope 3.1. Das Greenhouse Gas Protocol grenzt die Kategorie von anderen Scope-3-Kategorien ab. Kapitalgüter werden beispielsweise Scope 3.2 zugeordnet. Auch Geschäftsreisen, Abfall oder bestimmte Transportaktivitäten gehören zu anderen Kategorien und sollten entsprechend separat betrachtet werden.
Genau deshalb ist eine klare Abgrenzung zu Beginn wichtig. Unternehmen sollten definieren, welche Einkaufsaktivitäten tatsächlich unter Scope 3.1 fallen und welche bereits an anderer Stelle im Corporate Carbon Footprint berücksichtigt werden. So lassen sich Doppelzählungen vermeiden und die Datensammlung von Beginn an strukturierter aufsetzen.
Warum ist Scope 3.1 für Unternehmen relevant?
Eingekaufte Waren und Dienstleistungen können einen sehr hohen Anteil an den gesamten Scope-3-Emissionen eines Unternehmens ausmachen. Besonders relevant kann die Kategorie bei Unternehmen mit hohem Einkaufsvolumen, produzierender Tätigkeit, globalen Lieferketten, Handelsmodellen, technologieintensiven Produkten oder einem starken Einsatz externer Dienstleistungen sein.
Damit ist Scope 3.1 weit mehr als ein reines Reporting-Thema. Eine strukturierte Erfassung schafft Transparenz darüber, welche Materialien, Produkte oder Einkaufsaktivitäten wesentliche Emissionstreiber sind.
Diese Transparenz kann wiederum dabei helfen,
- Reduktionspotenziale zu erkennen,
- Entscheidungen im Einkauf und in der Lieferkette fundierter zu treffen,
- Risiken besser einzuordnen
- und Fortschritte bei Klimazielen nachvollziehbar zu verfolgen.
Dabei ist nicht jede Scope-3-Kategorie für jedes Unternehmen gleichermaßen relevant. Vor der detaillierten Datenerhebung empfiehlt der Blue Thread deshalb eine Relevanzbewertung, um wesentliche Emissionsquellen zu identifizieren und entsprechend zu priorisieren.
Wie werden Scope-3.1-Emissionen berechnet?
Für die Berechnung von Scope 3.1 stehen vier Ansätze zur Verfügung:
- Lieferantenspezifisch: konkrete Emissionsdaten des Lieferanten
- Hybrid: spezifische und sekundäre Daten kombiniert
- Durchschnittsdaten: physische Mengen × durchschnittlicher Emissionsfaktor
- Ausgabenbasiert: Einkaufswert × Emissionsfaktor pro Währungseinheit
Welche Methode sinnvoll ist, hängt von Datenlage und gewünschtem Detailgrad ab. In der Praxis können Unternehmen verschiedene Ansätze kombinieren und ihre Datengrundlage schrittweise verbessern.
Mehr dazu erfahren Sie im ersten Beitrag unserer Scope-3.1-Blogreihe.
Fazit: Scope 3.1 Schritt für Schritt angehen
Scope 3.1 macht sichtbar, welche Emissionen bereits entstehen, bevor eingekaufte Waren und Dienstleistungen Ihr Unternehmen erreichen. Gerade weil diese Emissionen einen wesentlichen Teil der Klimabilanz ausmachen können, lohnt sich eine strukturierte Betrachtung. Dabei müssen Sie nicht von Beginn an für jede Einkaufsaktivität perfekte Daten vorliegen haben. Entscheidend ist, Scope 3.1 sauber abzugrenzen, vorhandene Daten zu nutzen und die Datengrundlage dort schrittweise zu verbessern, wo es den größten Mehrwert bietet.
Im vollständigen Scope 3.1 Blue Thread führen wir Sie von den Grundlagen über Berechnungsmethoden und Datenquellen bis zur praktischen Umsetzung.




