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Welche Daten benötigen Sie für Scope 3.1?

CSRD, ESG | 18. August 2026
Lea Müller
Senior Sustainability Specialist Code Gaia
ZusammenfassungScope 3.1 umfasst die vorgelagerten Emissionen aus eingekauften Waren und Dienstleistungen. Für ihre Berechnung können ganz unterschiedliche Daten relevant sein: von Finanz- und Buchhaltungsdaten über Materialmengen bis hin zu konkreten Emissionswerten Ihrer Lieferanten. Welche Daten Sie tatsächlich benötigen, hängt daher eng mit der gewählten Berechnungsmethode zusammen. Wichtig ist vor allem, zunächst einen Überblick über die vorhandenen Datenquellen zu schaffen, Verantwortlichkeiten zu klären und die Informationen so aufzubereiten, dass nur relevante und möglichst vollständige Einkaufsaktivitäten in die Berechnung einfließen. Ein pragmatischer Start mit vorhandenen Finanzdaten kann dabei sinnvoll sein – und später Schritt für Schritt um detailliertere Daten ergänzt werden.

Im ersten Beitrag unserer Blogreihe zum Scope 3.1 Blue Thread haben wir uns angesehen, welche Berechnungsmethode zu welcher Datenlage passt. Doch spätestens bei der praktischen Umsetzung folgt die nächste Frage: Woher bekommen Sie eigentlich die benötigten Daten?

Die Antwort liegt häufig näher als gedacht. Viele relevante Informationen befinden sich bereits in Buchhaltung, ERP-Systemen, Einkauf oder Materialverwaltung. Andere Daten müssen dagegen direkt von Lieferanten eingeholt oder aus externen Datenbanken ergänzt werden. Erfahren Sie im Blogbeitrag, wo Sie die gewünschten Daten vorfinden.

Welche Daten benötigen Sie für Scope 3.1?

Welche Informationen Sie benötigen, hängt vor allem davon ab, wie detailliert Sie die Emissionen berechnen möchten. Grundsätzlich lassen sich vier wichtige Datenarten unterscheiden.

Lieferantenspezifische Emissionsdaten

Die höchste Datentiefe erreichen Sie, wenn Ihre Lieferanten konkrete Emissionsdaten zu den eingekauften Produkten oder Dienstleistungen bereitstellen können. Das können beispielsweise Product Carbon Footprints, Life-Cycle-Assessments oder Environmental Product Declarations sein. Liegen solche Informationen vor, können sie für eine lieferantenspezifische Berechnung genutzt werden.

In der Praxis stehen diese Daten jedoch nicht für jedes Produkt und jeden Lieferanten zur Verfügung. Gerade für besonders relevante Materialien oder Produkte lohnt es sich deshalb, zu prüfen, welche Lieferanten bereits entsprechende Informationen bereitstellen können.

Produkt-, Material- und Mengendaten

Wenn keine konkreten Emissionswerte vom Lieferanten vorliegen, können physische Aktivitätsdaten die Grundlage der Berechnung bilden.

Dazu gehören beispielsweise Angaben zu:

  • Kilogramm oder Tonnen eines Materials
  • Stückzahlen eines Produkts
  • anderen physischen Mengeneinheiten

Diese Daten werden mit passenden durchschnittlichen Emissionsfaktoren kombiniert. Da dabei reale physische Mengen statt finanzieller Werte zugrunde liegen, kann die Berechnung genauer werden als bei einem rein ausgabenbasierten Ansatz.

Finanz- und Buchhaltungsdaten

Gerade beim Einstieg in Scope 3.1 sind Finanzdaten häufig die am einfachsten verfügbare Datengrundlage. In vielen Unternehmen liegen sie bereits strukturiert in Buchhaltungs- oder ERP-Systemen vor. Sie können beispielsweise genutzt werden, um zunächst eine möglichst vollständige Übersicht der Einkaufsaktivitäten zu erstellen und die Emissionen ausgabenbasiert zu berechnen. Das ist besonders dann hilfreich, wenn für viele Einkaufspositionen noch keine Mengen- oder Lieferantendaten vorhanden sind.

Sekundäre Daten und Emissionsfaktoren

Nicht alle benötigten Informationen müssen aus dem eigenen Unternehmen oder direkt von Lieferanten stammen. Je nach Berechnungsmethode werden zusätzlich sekundäre Daten benötigt, zum Beispiel branchenspezifische Emissionsfaktoren oder Informationen aus Life-Cycle-Inventar-Datenbanken. Solche Daten kommen etwa dann zum Einsatz, wenn die Menge eines eingekauften Materials bekannt ist, aber kein spezifischer Emissionswert des Herstellers vorliegt.

Wo finden Sie die relevanten Daten im Unternehmen?

Eine der größten Herausforderungen bei Scope 3.1 besteht häufig nicht darin, dass keine Daten vorhanden sind. Vielmehr sind sie über verschiedene Systeme und Fachabteilungen verteilt.

Typische Anlaufstellen sind:

  • Buchhaltung für Rechnungs- und Transaktionsdaten
  • Einkauf für Lieferanten-, Produkt- und Beschaffungsinformationen
  • ERP- oder Warenwirtschaftssysteme für strukturierte Einkaufs- und Materialdaten
  • Materialverwaltung oder Produktion für Mengen- und Gewichtsangaben
  • Lieferanten für spezifische Emissionswerte

Es lohnt sich deshalb, die zuständigen Fachabteilungen frühzeitig einzubeziehen und gemeinsam zu klären, welche Informationen bereits vorhanden sind und aus welchen Systemen sie exportiert werden können. Bevor Sie die Daten einsammeln, sollten außerdem die Systemgrenzen feststehen. Nicht jede Ausgabe gehört automatisch zu Scope 3.1. Geschäftsreisen, Abfall oder bestimmte Transportaktivitäten werden beispielsweise anderen Scope-3-Kategorien zugeordnet.

Welche Informationen sollte ein Datenexport enthalten?

Wenn Sie zunächst mit Finanz- oder Einkaufsdaten arbeiten, kommt es nicht nur darauf an, dass Daten vorhanden sind, sondern auch darauf, welche Informationen der Export enthält.

Hilfreich sind insbesondere:

  • Name des Lieferanten
  • Kostenart oder Kontobezeichnung
  • Beschreibung der eingekauften Ware oder Dienstleistung
  • Zeitraum der Transaktion
  • monetärer Wert der Buchung

Diese Informationen erleichtern später die Zuordnung der einzelnen Einkaufsaktivitäten zu geeigneten Emissionsfaktoren. Grundsätzlich gilt: Je aussagekräftiger der Datensatz, desto präziser kann die weitere Zuordnung erfolgen. Neben klassischen Buchhaltungs- oder ERP-Daten können auch Exporte aus Beschaffungsplattformen, Einkaufssystemen oder Warenwirtschaftssystemen genutzt werden, wenn dort bereits aggregierte Einkaufsdaten vorliegen.

Daten prüfen, bereinigen und abgrenzen

Ein umfangreicher Datenexport ist noch keine fertige Grundlage für die Scope-3.1-Berechnung. Vor der weiteren Verarbeitung sollten die Daten geprüft und bereinigt werden.

Dabei geht es insbesondere darum, Positionen zu entfernen, die nicht zu Scope 3.1 gehören oder keinen tatsächlichen Einkauf von Waren und Dienstleistungen darstellen.

Typische Beispiele sind:

  • Abschreibungen
  • Rückstellungen
  • interne Umbuchungen
  • Gehaltszahlungen

Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob alle relevanten Einkaufsaktivitäten im Datensatz enthalten sind. Fehlende Informationen können dazu führen, dass die Emissionsbilanz unvollständig bleibt. Je nach Datenmenge kann es außerdem sinnvoll sein, pragmatisch zu priorisieren und sich zunächst auf die wesentlichen Einkaufsaktivitäten zu konzentrieren.

Datenqualität schrittweise verbessern

Je spezifischer die verfügbaren Daten sind, desto genauer kann grundsätzlich auch die Emissionsberechnung werden. Gleichzeitig steigt mit der Datentiefe häufig der Aufwand für die Erhebung. Deshalb müssen Sie nicht für jede Einkaufsposition sofort die höchstmögliche Datenqualität erreichen.

Ein pragmatischer Weg kann darin bestehen, zunächst mit vorhandenen Finanzdaten eine möglichst vollständige Übersicht zu schaffen. Dadurch werden erste Emissionsschwerpunkte sichtbar. Anschließend lässt sich gezielt prüfen, für welche Materialien, Produkte oder Lieferanten detailliertere Daten den größten Mehrwert bieten.

Für diese Positionen können dann schrittweise Mengenangaben oder lieferantenspezifische Emissionswerte ergänzt werden. So wird die Scope-3.1-Bilanz über mehrere Erfassungsperioden hinweg genauer, ohne dass der Aufwand bereits zu Beginn ausufert.

Fazit: Mit vorhandenen Daten starten

Für Scope 3.1 müssen Sie nicht zwingend mit einer langen Liste neuer Datenanforderungen beginnen. Der erste Schritt besteht vielmehr darin, Transparenz über die bereits vorhandenen Informationen zu schaffen.

Welche Finanzdaten stehen in der Buchhaltung bereit? Gibt es Mengen- oder Materialdaten im ERP-System? Welche Lieferanten können bereits konkrete Emissionswerte liefern? Und wo werden ergänzende Durchschnittswerte benötigt?

Auf Basis dieser Bestandsaufnahme können Sie entscheiden, welche Daten für den Start ausreichen und wo sich eine genauere Erhebung lohnt.

Im vollständigen Scope 3.1 Blue Thread zeigen wir den gesamten Prozess – von der Auswahl der Berechnungsmethode über den Datenexport und die Bereinigung bis hin zur praktischen Integration der Scope-3.1-Daten.

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Theresa Zöckler
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