Eine Doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchführen in 4 Schritten

CSRD, ESRS, Unkategorisiert | 21. Februar 2024
Stefanie Höpler
Sustainability Specialist Code Gaia

Seit dem 5. Januar 2023 ist die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in Kraft getreten, die einen einheitlichen Rahmen für die Berichterstattung über nichtfinanzielle Daten in der Europäischen Union schafft. Viele mittelständische Unternehmen stehen damit erstmals vor der Herausforderung, eine Nachhaltigkeitserklärung vorzulegen.

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) definieren dabei den Inhalt der neuen Offenlegungspflichten. Sie treten ab 2024 schrittweise in Kraft, inklusive des Konzepts der Doppelten Wesentlichkeit. In diesem Blogbeitrag wollen wir dieses grundlegende Konzept erklären und aufzeigen, wie eine Doppelte Wesentlichkeitsanalyse einfach und effektiv mit der Code-Gaia-Methode gemeistert werden kann.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse?
  2. Warum ist die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse wichtig?
  3. Wann gilt eine Information bei der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse als wesentlich?
  4. Wie funktioniert der Code-Gaia-Ansatz zur Doppelten Wesentlichkeitsanalyse?
  5. Zusammenfassung

1. Was ist die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse?

Das Konzept erweitert die Entscheidungskriterien für die Aufnahme von Nachhaltigkeitsaspekten in Unternehmensberichte. Bei dieser Bewertung werden sowohl die Auswirkungen Ihres Unternehmens auf die Umwelt und die Gesellschaft als auch die Auswirkungen von Umwelt- und Sozialfragen auf Ihr Unternehmen ermittelt. Das Konzept bildet die Grundlage für Ihre ESRS-konforme Berichterstattung (ESRS 1, Sektion 3.4 und 3.5).

Eine Bewertung der Doppelten Wesentlichkeit beeinflusst den Umfang und die Ausführlichkeit der Informationen, die in einer Nachhaltigkeitserklärung offengelegt werden müssen. Die Doppelte Wesentlichkeit ist die Zusammenführung von „Financial Materiality“ (Auswirkungen der Umwelt auf die finanzielle Leistung eines Unternehmens) und „Impact Materiality“ (Auswirkungen des Unternehmens auf Gesellschaft und Umwelt). 

Veranschaulichung Doppelte Wesentlichkeit

2. Warum ist die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse wichtig?

Das Konzept der Doppelten Wesentlichkeit stellt sicher, dass Berichterstattung nicht einseitig erfolgt. Das bedeutet, dass Aspekte, die zwar negative Umweltauswirkungen haben, aber keine negativen finanziellen Auswirkungen auf das berichtende Unternehmen haben, dennoch berichtspflichtig sind. Dies war bisher im Rahmen der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) nicht der Fall.

Bisherige Wesentlichkeitsprinzipien bezogen sich ausschließlich auf die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsfaktoren auf Finanzen und Unternehmensaktivitäten (Outside-in), was die Interessen von Investoren und Stakeholdern betonte. Die Doppelte Wesentlichkeit geht jedoch weiter und berücksichtigt auch die Auswirkungen finanzieller und unternehmerischer Tätigkeiten auf Nachhaltigkeitsaspekte (Inside-Out), wodurch den Interessen der Stakeholder oder „Silent Stakeholder“ (Natur) eine größere Bedeutung zukommt. Somit erweitert die Doppelte Wesentlichkeit den Umfang der als wesentlich betrachteten Faktoren für die Nachhaltigkeit.

3. Wann gilt eine Information bei der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse als wesentlich?

Eine Information gilt für die primären Nutzer:innen der allgemeinen Finanzberichterstattung als wesentlich, wenn vernünftigerweise erwartet werden kann, dass das Weglassen, die falsche Darstellung oder die Verschleierung dieser Information die Entscheidungen beeinflussen könnte, die sie auf der Grundlage der Nachhaltigkeitserklärung des Unternehmens treffen. Ein Nachhaltigkeitsaspekt ist aus finanzieller Sicht wesentlich, wenn er wesentliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen auslöst oder sein Eintreten nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann.

4. Wie funktioniert der Code-Gaia-Ansatz zur Doppelten Wesentlichkeitsanalyse?

Zu Beginn gilt es, die wichtigsten Nachhaltigkeitsaspekte mithilfe des Code-Gaia-Ansatzes zur Doppelten Wesentlichkeit zu ermitteln (eine von Code Gaia zusammengestellte Liste aller Nachhaltigkeitsaspekte finden Sie hier.) Der Ansatz wurde von Code Gaia im Zeitraum von Juni bis Dezember 2023 entwickelt. Während dieser Zeit wurde sie in realen Fällen bei Unternehmen angewandt, die zum ersten Mal eine an den ESRS ausgerichtete Wesentlichkeitsprüfung durchführen. Der Ansatz stützt sich daher auf diese praktischen Erfahrungen sowie auf Beiträge aus der Theorie der Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA) und der Rechnungslegung. Eine ausführliche Beschreibung des Code-Gaia-Ansatzes mit aufschlussreichen Visualisierungen ist in unserem Whitepaper Der Code Gaia-Ansatz zur Doppelten Wesentlichkeit zu finden.

Beim Code Gaia-Ansatz wird ein vierstufiger Prozess angewendet, um Auswirkungen, Risiken und Chancen  (englisch: Impacts, Risks and Opportunities =”IROs”) zu ermitteln und zu bewerten, welche davon wesentlich sind. Der Code Gaia-Ansatz geht davon aus, dass ein vierstufiger Prozess in der Zeit vor dem ersten Berichtsjahr angemessen ist und dass diese Schritte bis zu einem gewissen Grad gleichzeitig durchgeführt werden können. Es ist aber von Vorteil, sie nacheinander durchzuführen. Die ermittelten Schritte sollten dann als kontinuierliche Arbeitsprozesse in den darauffolgenden Zeiträumen übernommen werden.

Tipp: Bei der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse mit Code Gaia werden Sie und Ihr Team Schritt für Schritt durch den Prozess der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse geleitet. Dokumentieren Sie den gesamten Prozess und seine Ergebnisse direkt ESRS-konform in unserer Software, ganz ohne Vorwissen und aufwändige Einarbeitung in die Regelwerke. Beispiele und Trainingsinhalte, sowie die Unterstützung unserer Expert:innen und Partner stehen für Sie zur Verfügung. Auf Wunsch bieten wir auch begleitende Workshops an.

Schritt 1: Identifizierung von Stakeholdern und Ermittlung der Auswirkungen auf die Stakeholder 

Die möglichen Stakeholder werden zunächst auf Grundlage der in den ESRS festgelegten Stakeholder-Kategorien und -Kriterien sowie von Erfahrungen mit nachhaltigkeitsbezogenen Stakeholdern ermittelt. Im Anschluss an diesen Identifizierungs-Workshop werden die identifizierten Stakeholder aktiv
angesprochen und gebeten, ein Feedback zu den Auswirkungen zu geben und, wenn möglich, ihre Meinung zur Art dieser Auswirkungen in Übereinstimmung mit den in den ESRS festgelegten Wesentlichkeitsprüfungen abzugeben.

Schritt 2: Identifizierung eigener Auswirkungen

In diesem Schritt werden “eigene Auswirkungen” (intern identifizierte Auswirkungen) auf Grundlage der in den ESRS festgelegten Identifizierungskriterien und von Erfahrungen mit nachhaltigkeitsbezogenen Themen sowie interner Erfahrung und Fachkenntnis ermittelt. Die Ergebnisse und Inhalte dieses Schrittes werden in einem internen Prozessdokument mit dem Titel
festgehalten, das später als Grundlage für die Anforderungen der ESRS-Nachhaltigkeitsberichterstattung in Bezug auf die Wesentlichkeit verwendet werden kann. Im Anschluss an diesen Schritt zur Identifizierung der Auswirkungen (siehe Schritt 4) wird in Verbindung mit dem Feedback der Stakeholder eine endgültige Liste der Auswirkungen zusammengestellt und den entsprechenden Nachhaltigkeitsaspekten zugeordnet.

Schritt 3: Identifizierung von finanziellen Risiken und Chancen 

Die Identifizierung finanzieller Risiken und Chancen (englisch: Risks and Opportunities = “ROs”) basiert 

a) auf den in den ESRS dargelegten Kriterien, in Kombination mit den Ergebnissen der beiden vorangegangenen Schritte und 
b) auf der Erfahrung mit nachhaltigkeitsbezogenen Themen sowie 
c) der internen Erfahrung und dem Fachwissen innerhalb der Organisation.

Im Anschluss an diese Identifizierung von Risiken und Chancen wird eine endgültige Liste von ROs zusammengestellt und den relevanten Nachhaltigkeitsaspekten zugeordnet. 

Schritt 4: Zusammenstellung der IROs, Wesentlichkeitsbewertung und Dokumentation 

Sobald alle IROs gesammelt und den relevanten Nachhaltigkeitsaspekten zugeordnet sind, werden die Art, das Ausmaß, der Umfang, die Unabänderlichkeit, die Richtung und die Wahrscheinlichkeitsmerkmale der Auswirkungen verwendet, um die Wesentlichkeit jeder Auswirkung zu bestimmen. Darüber hinaus werden die  Tests für die finanzielle Wesentlichkeit in Abstimmung mit den Finanz- und Buchhaltungsfunktionen des Unternehmens auf die ROs angewendet.

Jede Auswirkung, jedes Risiko und jede Chance, die die Kriterien für die Wesentlichkeit erfüllen, werden als wesentlich eingestuft, und die nachfolgenden Themen und Aspekte werden in den Umfang der Nachhaltigkeitserklärung aufgenommen.

5. Zusammenfassung

Die Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der damit einhergehenden European Sustainability Reporting Standards (ESRS) hat die Bedeutung der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse für Unternehmen deutlich erhöht. Dieser Ansatz erweitert die traditionellen Wesentlichkeitsprinzipien, indem er sowohl die Auswirkungen von Unternehmen auf die Umwelt und Gesellschaft als auch die Auswirkungen von Umwelt- und Sozialfragen auf Unternehmen berücksichtigt. Die Doppelte Wesentlichkeit stellt sicher, dass Berichterstattung nicht einseitig erfolgt und Aspekte, die zwar keine direkten finanziellen Auswirkungen haben, aber dennoch für Stakeholder relevant sind, in die Nachhaltigkeitsberichterstattung einbezogen werden. Der vierstufige Code-Gaia-Ansatz bietet Unternehmen einen strukturierten Prozess zur Durchführung dieser Doppelten Wesentlichkeitsanalyse, der auf praktischen Erfahrungen basiert und eine systematische Bewertung von Auswirkungen, Risiken und Chancen ermöglicht. Durch die Anwendung dieses Ansatzes können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung den Anforderungen der ESRS entspricht und den Interessen aller relevanten Stakeholder gerecht wird.

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